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Die Ausstellung Von Mäusen und Menschen entfaltet sich wie ein Roman, eine Geschichte mit verschiedenen Charakteren und Persönlichkeiten, die deren private Schicksale und universelle Ängste offen legt.

Um diese Spannungen einzufangen und darzustellen, haben die KuratorInnen der 4. berlin biennale eine Reihe ungewöhnlicher Veranstaltungsorte und Ausstellungsräume gewählt, die sich entlang einer Straße konzentrieren, der Auguststraße im Bezirk Mitte, im Herzen Berlins.

Mit der Wahl einer Straße sowohl als Beispiel als auch als Archetyp führt Von Mäusen und Menschen die BetrachterInnen durch eine Vielfalt von Umgebungen und Erfahrungen, öffnet Türen zu vergessenen Gebäuden und versteckten Schauplätzen und präsentiert Kunst an Orten, an denen wir normalerweise spielen, essen, beten und arbeiten. Die beteiligten KünstlerInnen sind aufgefordert, mit ihren Arbeiten dort einzugreifen oder Präsenz zu zeigen, wo unser gemeinsamer Alltag stattfindet: in privaten Wohnungen, Bürogebäuden, Schulen, Galerien, Wohnwagen und ehemaligen Fabriken.

Ziel der KuratorInnen ist es, mit der Ausstellung eine Geschichte mit verschiedenen Handlungs­strängen nachzuzeichnen, deren unmittelbare Verknüpfungen letztlich offen bleiben.
Von Mäusen und Menschen ist weder eine Themenausstellung, noch eine Ausstellung mit These. Die Ausstellung stellt Fragen über Geburt und Verlust, Sterben und Aufgeben, Trauer und Nostalgie.

Mit seinem aus einem Gedicht des schottischen Dichters Robert Burns aus dem 18. Jahrhundert – das auch John Steinbeck zu seinem gleichnamigen Roman von 1937 inspirierte – stammenden Titel inszeniert Von Mäusen und Menschen ein absurdes Theater, in dem Tiere, Menschen und Geister ihre tragischen Rollen spielen. Aber es ist auch ein Tag im Leben der EinwohnerInnen einer Straße und ein Spaziergang entlang der Orte, die unsere Existenz bestimmen.

Die Ausstellung Von Mäusen und Menschen wird mehr als 60 KünstlerInnen aus vier Generationen einbeziehen, die mit verschiedenen Medien und Techniken arbeiten, von Radierungen zu Holzschnitten, von Animation zu Fotografie, von Rollenspiel zu Teambildung. Im Gegensatz zur vorherrschenden Tendenz, auf Biennalen die neuesten Talente und Bewegungen vorzustellen, knüpft diese Ausstellung zeitübergreifende Verbindungen durch die Vergangenheit und Gegenwart, statt sich nur auf den flüchtigen Trend oder Geschmack zu konzentrieren. Und der Ort der Ausstellung im Zentrum von Berlin bringt unweigerlich unzählige Geschichten und Dramen, Triumphe und Fehlschläge mit sich.

In Berlin ist es seit langem üblich, bestehende Gebäude und Strukturen in Veranstaltungsorte für vorübergehende Kunstausstellungen umzufunktionieren – täglich verwandelt ein/e KünstlerIn seine oder ihre Wohnung in eine Galerie oder eröffnet einen unabhängigen Ausstellungsraum. Aus dieser Erfahrung heraus nehmen die KuratorInnen die Besonderheit der Berliner Kunstszene und die zahlreichen nicht genutzten Orte war. Diese Orte sind Segen und Fluch zugleich: Sie bieten spannende und neuartige Veranstaltungsorte für die Präsentation von Kunst, symbolisieren jedoch auch die Fehlschläge und Folgen der übermächtigen und hartnäckigen Erinnerung und der Geschichte der Stadt.

Die berlin biennale ist die einzige Biennale der Welt, die ihre Schauplätze und Veranstaltungsorte ganz nach den Erfordernissen der Ausstellung ausrichtet. Von Mäusen und Menschen wird so zu einem seltsamen Karneval, einem Straßenfest, das den Abstieg in die zerklüfteten Spiralen der Zeit nachzeichnet.